Presseartikel

Artikel aus: Kehler Zeitung, 20. Mai 2008

Tastend die Technik erfahren

Blinde und Sehbehinderte beschäftigten sich bei einem Seminar in Kork mit dem Computer-Inneren.

Im alten Rathaus in Kork trafen sich am Samstag Vereinsmitglieder vom Bildungsinstitut für Blinde und Sehbehinderte zu einem Hardware-Workshop.
Von Susanne Löhr

Kehl-Kork. Um das Innenleben des Computers ging es am vergangenen Samstag im Alten Rathaus. Mitglieder vom Bildungsinstitut für Blinde und Sehbehinderte trafen sich zu einem Workshop. Dafür waren sie extra aus Wien, Marburg,
Stuttgart und Pirmasens angereist. Zuerst informierte Seminarleiter Wilhelm Lickteig die Teilnehmer, was für die nächsten Stunden auf dem Lernprogramm stand. Fit im Schreiben sind sie alle, aber nun sollte das Innenleben eines Computers enträtselt werden. Das ging los mit den einfacheren Dingen wie Stecker wieder einstecken, wenn er herausrutscht, am PC das Gehäuse öffnen, die PC Karte wechseln, eine CD einlegen und das CD-Laufwerk wechseln. Furore machte hier bei den Teilnehmern ein alter sprechender Stromprüfer, den es heute nicht mehr gibt. Warum eigentlich? Alle wollten das Gerät auch einmal anfassen und er ging reihum.
»Wir wollen Dinge zerlegen, ohne dass was übrig bleibt«, ermunterte der Referent die Teilnehmer. Erst sollte ein großes Netzteil ausgeschraubt werden. »Wo lege ich was hin?« ­ das ist bei blinden Menschen natürlich besonders wichtig und Daniel Sänger, der Sohn des Vereinsvorsitzenden Werner
Sänger, teilte Eierbecher aus, damit die Schrauben auch wirklich wieder gut zu finden waren. Ziemlich schnell lernten alle das Innenleben eines Rechners kennen und tastsicher zeigten sie sich untereinander, was sie gelernt hatten.
Werner Sänger, Telefonist und EDV-Mann bei der Stadt Kehl, brachte zum Workshop ausgediente Geräte mit. »Dafür sind wir der Stadt sehr dankbar«, betonte er. Zudem erwähnte er den zur Verfügung gestellten Raum und den Taxifahrer, der die Anreisenden direkt am Bahngleis in Kehl in Empfang genommen hatte. Denn auch wenn die blinden Menschen des Vereins so selbstständig wie möglich sein wollen, so sind sie eben doch immer wieder auf die Hilfe von Sehenden angewiesen.

Der Workshop verlief erfolgreich. Die Teilnehmer kannten sich aus diversen Seminaren. Es herrschte ein freundschaftlicher, humorvoller Ton im Umgang miteinander und die tschechische Blindenhündin Sally konnte während den Exkursionen in den Technikbereich beruhigt ein Nickerchen machen.

STICHWORT
Bildungsinstitut für Blinde
Der Verein Bildungsinstitut für Blinde und Sehbinderte wurde am 25. Oktober 2003 gegründet. Er hat seinen Sitz in Weil am Rhein. Im November 2003 wurde er als gemeinnützig anerkannt.
Ziel des Vereins ist es, blinden und sehbehinderten Menschen Fortbildungsmaßnahmen im beruflichen sowie privaten Bereich anzubieten, die speziell auf deren Bedürfnisse ausgerichtet sind. Derzeit hat der Verein 73 Mitglieder. Sie beschäftigen sich mit verschiedenen Themen. 2005 wurde in Österreich zum Beispiel ein vogelkundliches Seminar angeboten, bei dem die Höreindrücke geschult wurden.
Im Internet findet man den Verein unter der Adresse www.bildung-ohne-barrieren.de.